Suchen

 
     

    29. Mai 2008

    Stellenstreichungen an der Bonner Uni nicht hinnehmbar

    Wer in den letzten Tagen die Bonner Innenstadt passierte, mag sich verwundert gefragt haben, seit wann Vorlesungen und Seminare mitten in der Stadt unter freiem Himmel und nicht im Hörsaal stattfinden. Der Hintergrund: Im Rahmen einer Aktionswoche setzen Studierende und Lehrende ein besonderes Zeichen gegen die geplanten Stellenstreichungen an der Bonner Uni. Mit der Durchführung von Lehrveranstaltungen außerhalb der Universität wollen sie zum einen die Öffentlichkeit auf das Thema aufmerksam machen und zum anderen signalisieren: Die Uni will uns vor die Tür setzen.

    In der Tat steht die Universität vor einer massiven Stellenstreichungsrunde. Bis 2010 sollen 150 Lehrstellen gestrichen werden. Ein Haushaltsloch von 7,5 Millionen Euro muss geschlossen werden.

    „Es ist einfach unglaublich, dass die Bonner Universität vor solch einer finanziellen Lage steht. Die Universität hat beteuert, die Studienbeiträge nicht zur Finanzierung neuer Lehrkräfte einzusetzen. Folglich kann man nur zu einem Schluss kommen: Die Landesregierung kürzt die Mittel an die Universität“, so die Bonner Landtagsabgeordnete Renate Hendricks.

    Die brisante Finanzsituation an der Universität hat zur Folge, dass ganze Fächer geschlossen werden sollen. „Mit einem Brief habe ich mich an die Mitglieder des Rates der Philosophischen Fakultät dafür eingesetzt, die Volkskunde vor ihrer Schließung zu bewahren. Dies ist gelungen, nun droht anderen Fächern das Aus“, erläutert Hendricks: Etwa der Slawistik oder der Ethnologie.

    „Es ist ein trauriges Signal, das die Landesregierung an die Studierenden sendet, die teilweise seit zwei Jahren 500 Euro Studiengebühren pro Semester zahlen und nun zusehen müssen, wie ihre Fächer zusammengestrichen werden“, bilanziert Hendricks weiter die Politik der Landesregierung.

    Überproportional betroffen von den geplanten Stellenstreichungen ist die Philosophische Fakultät. 39 Stellen sind bis 2010 zu streichen. Dazu Renate Hendricks: „Es reicht eben nicht, wie Herr Pinkwart noch im letzten Jahr in Sonntagsreden das Jahr der Geisteswissenschaften zu feiern und dann werktags eben jene Geisteswissenschaften massiven Streichrunden zu unterwerfen“.

    Frau Hendricks sieht das Wissenschaftsministerium Pinkwarts und die Landesregierung in der Verantwortung, eine bedarfsdeckende Finanzierung der Bonner Universität sicherzustellen. „Die schwarz-gelbe Landesregierung wollte bei Amtsantritt eine umfassende Reform des nordrhein-westfälischen Hochschulsystems erreichen. Das Ergebnis sind Stellenstreichungen und Fächerschließungen, so war der Erfolg nicht angekündigt“, zeigt Hendricks sich erbost. „Es führt kein Weg dran vorbei: Die Landesregierung muss handeln, nicht Sonntagsreden halten. Ich fordere die Landesregierung auf, der Bonner Universität die ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, so dass sie den Status quo gerade in den Geisterwissenschaften halten kann. Bonn ist nämlich eine Traditionsuniversität bei den Geisteswissenschaften. Alles andere wäre ein Skandal.“