Der Aktionsrat Bildung hat vor kurzem einen umfassenden Überblick zur Bildungsbenachteiligung und Leistungsunterschieden von Mädchen und Jungen geliefert. Dabei kam zu Tage, dass das deutsche Bildungssystem die Geschlechterdifferenzen zu Lasten der Jungen verstärkt. Die teilweise eklatanten Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind keinesfalls angeboren, sondern entwickeln sich im Laufe der Jahre durch das Unterlassen von sozialen, politischen und administrativen Maßnahmen im Bildungssektor.
Kleine Anfrage: Benachteiligung von Jungen an Schulen
Schule und Bildung
Nach dem Aktionsrat Bildung sind Jungen die Verlierer im Bildungssystem. Sie werden öfter als Mädchen verspätet eingeschult, machen seltener Abitur und haben schlechtere Startchancen für den Eintritt in den Beruf. Bei der Differenzierung der verschiedenen Probleme nach einzelnen Bundesländern schneidet Nordrhein-Westfalen größtenteils sehr schlecht ab. So ist die Schere zwischen Mädchen und Jungen auf Förder- und Sonderschulen in NRW am dritthöchsten, außerdem belegt NRW den zweiten Platz bei der Frage, ob es sich bei den Hauptschulen inzwischen um reine Jungenschulen handelt. Auch bei der Lesekompetenz gibt es in Nordrhein-Westfalen einen dramatischen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen im Alter von 15 Jahren.
Ebenso bemängeln die Experten, dass in Kindergärten und Grundschulen zu wenige Männer arbeiten. Der Bundesdurchschnitt in Kitas liegt hier nur bei 3,2 Prozent. Nordrhein-Westfalen weicht hier kaum ab. Bei Grundschulen liegt Nordrhein-Westfalen sogar deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Der Präsident der Freien Universität Berlin, Dieter Lenzen, kritisiert deutlich die "Feminisierung" des Bildungssystems: "Das Bildungssystem schafft es oft nicht, Jungen in einen Zustand psychischer Ausgeglichenheit zu bringen".
Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:
1. Wie schätzt die Landesregierung die Probleme von Jungen in Kindergärten und an Schulen und die daraus resultierenden Konsequenzen für das Bildungssystem zukünftig ein?
2. Plant die Landesregierung eine Regelung, um das pädagogische Personal in seiner Genderkompetenz obligatorisch zu schulen?
3. Welches sind nach Ansicht der Landesregierung Maßnahmen, um bereits im Unterricht geschlechtsspezifische Interessen zu berücksichtigen und Stereotypenbildung entgegenzuwirken?
4. Wie entwickeln sich die Zahlen der männlichen Absolventen eines Pädagogikstudiums in Hochschulen und Fachhochschulen NRW seit 2005?
5. Welche Maßnahmen hat die Landesregierung unternommen, um die Anzahl männlicher Pädagogen in Kindergärten und Grundschulen zu erhöhen?


