Kompetenzagenturen als wirkungsvolles Mittel zur beruflichen Integration- Wie werden die Kommunen in NRW bei der Schnittstelle Schule und Beruf in Landesprogramme eingebunden?
In Braunschweig arbeitet seit 2003 eine Kompetenzagentur als Modellprojekt. Dort werden Schüler und Schülerinnen, die Probleme beim Einstieg ins Berufsleben haben, wirkungsvoll unterstützt. Angesichts der großen Zahl Jugendlicher, die in NRW immer noch ohne Ausbildungsplatz sind und die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz finden, würde ein solches Modell stärker präventiv arbeiten, als das Werkstattjahr und bessere Integrationsmöglichkeit bieten. Diese Zielgruppe weiß oft nicht, was sie machen soll oder ihre Schulleistungen sind nicht ausreichend für die geäußerten Wünsche.
Die Kompetenzagentur nimmt zu ihnen und ihren Eltern bereits in der Schulzeit Kontakt auf und hilft ihnen noch vor Ende der Schulzeit. Diese Hilfe beinhaltet, dass Sozialpädagogen und Lehrer über ihre eigentliche Zuständigkeit hinaus bereits an den Hauptschulen Schülerinnen und Schüler mit besonders schlechten Startchancen der Kompetenzagentur als Anlaufstelle empfehlen und mit diesen eng zusammen arbeiten. In ausgefeilten Potenzialanalysen wird dann festgestellt, was die Schülerinnen und Schüler wirklich können.
In den Kompetenzagenturen werden Schüler und Schülerinnen auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben vorbereitet. Sozialarbeiter begleiten sie von der Schulbank bis zur Ausbildungsstelle oder in geeignete weiterführende Schulen und helfen ihnen herauszufinden, welche Arbeit oder Ausbildung zu ihnen passen würde. Sie schließen eine Vereinbarung darüber mit den Jugendlichen ab, was diese selbst tun wollen, um ihre Ziele tatsächlich zu erreichen. Bei den meisten der Jugendlichen wurde nach Berichten aus Braunschweig ein vorzeitiger Schulabbruch damit vermieden und eine Begeisterung für realistische Berufsziele geweckt.
Finanziert wurde das Modellprojekt gemeinsam vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, sowie der Europäischen Union und der Stadt Braunschweig. 2007 wurde die Braunschweiger Kompetenzagentur wieder aus Mitteln des Bundes und der EU gefördert.
Die Kompetenzagentur ergänzt das Angebot von Arbeitsagentur und der Arge an der Schnittstelle zwischen Schule und Beruf. Der präventive Ansatz der Braunschweiger Einrichtung hat sich als erfolgreich erwiesen und geht weit über den Ansatz der Kompetenzchecks in NRW hinaus. Das Projekt findet aufgrund seiner guten Wirkungsweise hohen Anklang. Da diese Probleme in vielen Kommunen virulent sind, eignet sich das Modellprojekt, um von anderen Kommunen übernommen zu werden.
Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:
1. Die Landesregierung teilte in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage mit, dass „für die ESF-Förderphase 2007 bis 2013 derzeit das „Operationelle Programm Ziel 2“ erarbeitet wird. Dieses neue Programm wird voraussichtlich folgende Schwerpunkte enthalten:
"Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit, Jugend und Berufsausbildung, Förderung arbeitsmarktpolitischer Zielgruppen.“ Ist daran gedacht, ähnliche Projekte wie das, der oben beschriebenen Kompetenzagenturen auch für NRW im Rahmen der „Operationellen Programm Ziel 2“ aufzubauen?
2. Welche Projekte will die Landesregierung auf der Grundlage von gewonnenen Erkenntnissen sowie der der in 2007 noch zur Verfügung stehenden Mittel zusätzlich fördern?
3. „Jugendlichen in NRW können im Rahmen des Programms „Jugend in Arbeit“ von einer Beraterin oder einem Berater individuell unterstützt und bei der Beschäftigungsaufnahme begleitet werden. Bei Bedarf können die Jugendlichen an einer Berufsbegleitenden Qualifizierung teilnehmen, um ihre Beschäftigungschancen zu verbessern“, teilt die Landesregierung mit. Wie bzw. wo sind die Berater und Beraterinnen verortet?
4. Wie werden die bereits durch die Landesregierung geförderten Programme mit/in den Kommunen koordiniert bzw. gemeinsam vor Ort entwickelt?
5. Wie werden die bereits bestehenden Programme auf ihre Wirksamkeit evaluiert?