Suchen

 

Kleine Anfrage: Mehr Leseförderung an den Schulen in Nordrhein-Westfalen erforderlich!

Schule und Bildung

Die OECD Lesestudie von 1992 hat es aufgezeigt und die Pisa-Studie hat es der Öffentlichkeit verdeutlicht: Die Lesekompetenz der Deutschen Schüler und Schülerinnen ist bei weitem nicht ausreichend. Bei der Lesefähigkeit unterscheiden die Pisa-Forscher der OECD fünf Kompetenzstufen. Die untersten Kompetenzstufen I und II erlauben allenfalls das Lesen einzelner Texte und eine Zusammenfassung des Gelesenen auf niedrigem Niveau. Die höchsten Kompetenzstufen IV und V setzen das Verständnis komplizierter Texte voraus und verlangen von den Lesern logische Schlussfolgerungen und selbstständige Analysen. Wer die Kompetenzstufen IV und V erreicht, hat gute Chancen, über ein Studium den Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht zu werden. Wer auf den Kompetenzstufen I und II verbleibt, gehört zu jener Risikogruppe, deren Berufserfolg mehr als fraglich ist. In Deutschland gehören zu dieser Risikogruppe 20 Prozent der 15-Jährigen.

Die Auswertung der Lernstanderhebungen 2007 in NRW haben erneut sehr deutlich gemacht, dass es in allen Schulformen Jungen und Mädchen gibt, die über die Kompetenzstufe 1 und 2 nicht hinauskommen.
Die Ergebnisse aus PISA werden somit erneut bestätigt. In den Schulen gibt es einen relevanten Anteil von Jugendlichen, mit einem deutlichen Förderbedarf.

Das Ziel muss sein, die Lesefähigkeit der jungen Generation zu verbessern. Doch wie nachhaltig gelingt dies im Jahre X nach der Lesestudie der OECD und nach PISA? Leseprogramme, Zeitungsprojekte, Leseomas und Leseopas, Lesepaten, Lesewettbewerbe sind seither an der Tagesordnung in deutschen Bildungseinrichtungen. Aber die Frage stellt sich, ob diese Maßnahmen ausreichend sind, um die Lesefähigkeit der jungen Menschen auf ein international vergleichbares Leistungsniveau zu bringen?

Gleichzeitig ist unsere Gesellschaft noch nie so stark auf die Fähigkeit der Menschen angewiesen gewesen, gelesene Information zu verarbeiten. Laut einer Studie der Marktforschung IDC wächst die digitale Informationsmenge jährlich um knapp 60 Prozent – doppelt so schnell wie noch vor einigen Jahren. Viele Manager nehmen heute Lesekurse, um ihr Lesetempo und ihre Aufnahmefähigkeit zu verbessern.

Dass der Mensch lernen kann, schneller und besser zu lesen, ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Untersuchungen von Psychologen und Gehirnforschern machen deutlich, welche Trainingsmethoden wirklich helfen und was man zur Lesebeschleunigung tun kann. Einige Nachhilfeinstitute bieten mittlerweile ihren Schüler und Schülerinnen Lesetraining als Grundlage besseren Lernens und Verstehens an. Dies ist für ihre Schüler und Schülerinnen durchaus hilfreich, weil es in vielen Schulen nicht trainiert wird.

Lesen ist eine neuronale Spitzenleistung, die in drei Schritten vollzogen wird: Verkürzt dargestellt: Das Auge erfasst ein Wort oder einen Satzteil. Die Striche, Bögen und Winkel werden vom Gehirn in ein vorbewusstes Schriftbild gebracht. Dieses Schriftbild wird in der linken Gehirnhälfte in der Nähe der für Sprachverarbeitung zuständigen Areale auf Widererkennung geprüft. Dann wird alles, was der Leser über ein Wort weiß, ins Bewusstsein gerufen: Gefühle, Erfahrungen und Vorurteile. Verschiedene Hirnregionen arbeiten dabei zusammen.
Die Emotionen spielen wie immer beim Lernen eine wichtige Rolle. Je mehr das gelesene Buch bewegt oder interessiert, umso intensiver verläuft dies in den unterschiedlichen Regionen im Gehirn, umso besser und schneller kann ein Text dauerhaft behalten.

Ein Modellversuch mit Berliner Gymnasiasten veranlasst Sprachwissenschaftler dazu, die Einführung von Lesekurse an Schulen zu fordern, Leseanlässe zu schaffen und Lesen zu trainieren. An kanadischen Schulen sind mir solche Programme seit einigen Jahren bekannt.
In Finnland wurden große Lücken zwischen den Leistungen von Jungen und Mädchen festgestellt. Um diese Lücken zu schließen, wurden z.B. Jungen über ihre Freude am Umgang mit dem Computern und dem Internet zum Lesen geführt. In jedem Fall wurde dem Lesen besondere Aufmerksamkeit gewidmet.

Ich frage daher die Landesregierung:

1. Welche Programme finden an den nordrhein-westfälischen Schulen beim Lesenlernen und -trainieren derzeit Anwendung?

2. Wie findet gezielte Leseförderung für Jugendliche mit diagnostiziertem Förderbedarf an den Schulen in NRW statt?

3. Gibt es in den Schulen ausreichend Zeit bzw. ein ausreichendes Bewusstsein, um Lesepraxis zu ermöglichen und zu trainieren?

4. Wie wird Lesen nach der Grundschule auch in den weiterführenden Schulen regelmäßig trainiert?

5. Wodurch wird die Lesefähigkeit der Schüler und Schülerinnen in NRW signifikant und nachhaltig verbessert?